Auf folgenden Seiten werden Ihnen die Informationen sowie ein Handlungsleitfaden zur erfolgreichen Umsetzung produktionsintegrierter bzw. betriebsorientierter Kompensation zur Verfügung gestellt.

Produktionsintegrierte Kompensation (PIK) ermöglicht es Eingriffe   in den Naturhaushalt gemäß §14 BNatSchG zu kompensieren, indem Landwirte ihre Flächen  durch eine angepasste, auf die Kultur und den Betrieb zugeschnittene Bewirtschaftungsweise naturschutzfachlich aufwerten.

Die Flächen verbleiben zur Bewirtchaftung beim Landwirt, dieser erhält eine attraktive Vergütung und wird zum Partner des Naturschutzes.

Dies ist ein Projekt im Rahmen des „Sonderprogramms Biologische Vielfalt“ zur Etablierung einer agrarstrukturell verträglichen Kompensationspraxis gemäß §15 BNatSchG. Auftraggeber ist das Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, die Projektleitung liegt bei der Landsiedlungs Baden-Württemberg GmbH.

Zweck und Ziel des Projekts

 

Was ist PiK?

Für eine umfassende Einführung in die rechtliche Thematik der Eingriffsregelung nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und Erläuterung seiner Rechtsfolgen sei auf das Handbuch „Die naturschutzrechtliche Eingriffsregelung – Ein Leitfaden für die Praxis der Fach- und Bauleitplanung“ von Siegfried de Witt und Maria Geismann verwiesen. Mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.

Produktionsintegrierte Kompensation auf einen Blick

  • Die Flächen verbleiben zur Produktion beim Landwirt
  • Der Landwirt wertet seine Flächen durch angepasste Bewirtschaftung ökologisch auf
  • Realisierung von Kompensation im Rahmen der Eingriffsregelung bzw. Bauleitplanung

  • Einbindung der Landwirte  in Planungsprozess erhöht die Akzeptanz und verbessert die Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Landwirten
  • Aufwertung des Landschaftsbildes und des Naturhaushalts, Ansehen des Betriebes bei Verbraucher und Bürger steigern
  • Sichere Einnahmequelle bei Umsetzung für Gemeinde im Rahmen der Bauleitplanung

Wo gebaut wird, muss kompensiert werden
Laut §14 BNatSchG müssen unvermeidliche (bauliche) Eingriffe, welche den Naturhaushalt erheblich in seiner Leistungsfähigkeit und Funktion oder die Erscheinung des Landschaftsbildes beeinträchtigen kompensiert werden, d.h. Leistungsfähigkeit, Funktion und Landschaftsbild müssen wiederhergestellt werden. Dies kann durch Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen auf Flächen in räumlicher Nähe erfolgen.

Das Problem – Der Landwirt verliert durch Eingriff und Kompensation gleich zweimal
Für Bauvorhaben werden in Baden-Württemberg hauptsächlich landwirtschaftlich genutzte Flächen in Anspruch genommen. Zur Kompensation dieser Eingriffe (Landschaftsbild, Bodenversiegelung) wird wiederum hauptsächlich Acker- und Grünland einer Nutzung dauerhaft und komplett entzogen oder stark extensiviert, z.B. in Form einer Umwidmung von Ackerland in extensiv genutztes Grünland.

Kompensationspraxis birgt hohes Konfliktpotential
Fläche lässt sich nicht vermehren und die Akzeptanz der landwirtschaftlichen Betriebe des Flächenentzugs zum Zwecke von Bauvorhaben und deren Kompensation ist nunmehr verschwindend gering. Die Thematik birgt in den meisten Gemeinden, insbesondere in Ballungsräumen, Konfliktpotential zwischen Landwirten und Gemeinden.

Ein Lösungsansatz: Produktionsintegrierte Kompensation
Nach §15(3) Bundesnaturschutzgesetz ist jedoch vorrangig zu prüfen, ob eine eine Kompensation durch Bewirtschaftungs- oder Pflegemaßnahmen erfolgen kann. Bei dieser sogenannten produktionsintegrierten Kompensation (PiK) sind landwirtschaftlich genutzte Flächen durch geeignete Bewirtschaftungsmaßnahmen ökologisch aufzuwerten, können aber weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden und den Bewirtschaftern sogar Zusatznutzen einbringen (z.B. aktive Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft, Biodiversitätsmaßnahmen für Vermarktungsstrategien). Die Flächenprämie kann weiterhin beantragt werden.

Der Vorteil von PiK: Die Flächen können Ihren jeweiligen Status als Acker bzw. Grünland erhalten.
Die Flächen verbleiben im Eigentum bzw. der Bewirtschaftung des Landwirts und werden für Kompensationsmaßnahmen nicht entzogen. Die Kompensation des baulichen Eingriffs findet durch die PiK-Maßnahme auf der Fläche statt.

Sie haben Fragen zum Thema oder stehen vor der Herausforderung Kompensation für Bauvorhaben schaffen zu müssen? 

Ein Handlungsleitfaden zur Planung und Umsetzung von PiK wird vorraussichtlich Januar 2020 erscheinen. 

Handlungsleitfaden

Ein Handlungsleitfaden zur rechtssicheren Planung und Umsetzung von ackeraulichen Bewirtschaftungsmaßnahmen sowie Maßnahmen der Grünlandextensivierung als Kompensationsmaßnahmen wird voraussichtlich im Januar 2020 veröffentlicht werden.

Dieser Leitfaden soll Ihnen als Orientierungshilfe in der komplexen Thematik der Kompensationspraxis dienen und Sie befähigen sachlich fundierte Entscheidungen im Kontext der Planung und Umsetzung zahlreicher Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Eingriffe nach §14 BNatSchG zu treffen, die in Baden-Württemberg täglich stattfinden.

Der Flächenbedarf für Baumaßnahmen, seien es Gewerbe- und Wohngebiete, Straßen- und Trassenbau oder andere Infrastrukturmaßnahmen wird in den nächsten Jahren voraussichtlich zunehmen. So wird es auch weiterhin nicht nur zur Flächenumwidmung durch besagte Bauvorhaben kommen, sondern auch landwirtschaftlich genutzte Fläche zur Kompensation dieser Eingriffe in den Naturhaushalt herangezogen werden.

Eine allgemeine Einführung in die Thematik der Eingriffsregelung nach Bundesnaturschutzgesetz und Baugesetzbuch, Kompensationsmaßnahmen und Ökokonto finden sie unter „Was ist PiK?“

Für eine umfassende Einführung in die rechtliche Thematik der Eingriffsregelung nach dem BNatSchG und Erläuterung seiner Rechtsfolgen sei auf das Handbuch „Die naturschutzrechtliche Eingriffsregelung – Ein Leitfaden für die Praxis der Fach- und Bauleitplanung“ von Siegfried de Witt und Maria Geismann verwiesen. Mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.

Es werden verschiedende Szenarien betrachtet, die sich in ihrer Ausgangslage und der Rolle des Prozessteilnehmers im Kompensationsvorhaben unterscheiden. Beschrieben wird der Planungsprozess, wie er idealerweise stattfindet, um Kompensationserfordernisse unter Berücksichtigung der naturschutzfachlichen Ziele im Einklang mit der örtlichen Agrarstruktur bewältigen zu können.

Dabei können  Landwirte als Dienstleister zur Umsetzung der Kompensationsmaßnahmen für den Vorhaben/Maßnahmenträger aktiv werden oder als Maßnahmenträger selbst Kompensationsmaßnahmen umsetzen.

Anhand von Modelvorhaben, welche auf Betrieben und in Kommunen in Baden-Württemberg umgesetzt werden, soll der Prozess einer agrarstrukturell verträglichen Kompensationsplanung beispielhaft nachvollzogen werden können.

Kalkulationsbeispiele und Schemata dienen als Unterstützung zur Berechnung von Vergütungssätzen, die eine wirtschaftliche Umsetzung von Kompensationsmaßnahmen gewähren. Sie sollen helfen Vergütungsangebote seitens eines Maßnahmenträgers oder einer Kommune plausibilisieren zu können. Im Gegenzug sollen Maßnahmenträger Angebote erstellen können, die eine faire Vergütung garantieren die Maßnahme jedoch nicht zu kostspielig und somit unattraktiv werden lassen.

PiK – Voraussetzungen und Beispiele

Im Rahmen des PiK-Projektes wurde von der Flächenagentur BW ein Maßnahmenkatalog erstellt. Die Maßnahmen können nach dem Baukastenprinzip einzeln oder als Komplettmaßnahme auf Ackerstandorten umgesetzt werden. Die ökologische Wertigkeit des Maßnahmenpakets steigt mit der Anzahl der gewählten Module. Maßnahmenblätter „Ackerstandort“

Im Rahmen des Projekts „Eingriffsregelung und landwirtschaftliche Bodennutzung – Aufwertung durch Nutzung – Modellvorhaben zur innovativen Anwendung der Eingriffsregelung“ wurden Maßnahmen erprobt und zusammengefasst:  Zur Broschüre

Produktionsintegrierte Kompensation wird definiert als:

Naturschutzfachlich begründete Maßnahmen, die eine ökologische Aufwertung der agrar- oder forstwirtschaftlich genutzten Fläche bewirken, ohne das besagte Flächen ebenjener Nutzung entzogen werden.

Der Begriff „Produktionsintegrierte Kompensation“ ist nicht unumstritten, was insbesondere an seiner Unschärfe liegt. Der Aufwuchs einer Streuobstwiese oder artenreichen Grünlands lässt sich theoretisch bis zu einem gewissen Grade verwerten. Dafür bedarf es jedoch einer entsprechenden Agrarstruktur und bestehender Wertschöpfungsketten am Ort des Ausgleichs. Ohne Raufutterverwerter, ohne Saft- und Mostproduzenten oder ausreichend Kunden, die regionales Obst nachfragen, lässt sich der Aufwuchs oder die Ernte schlecht vermarkten. Auf alle Fälle sinken sowohl die Naturalerträge als auch die Produktionswerte in Euro deutlich. Hier ist also nicht von produktionsintegrierter Kompensation im engeren Sinn zu sprechen. Außerdem verursacht die Pflege der Maßnahme sehr hohe Kosten und verteuert eine Maßnahme relativ zu einer, welche entweder nicht so pflegeintensiv ist oder die örtliche Agrarstruktur berücksichtigt. Produktionsintegrierte Kompensation bedeutet immer eine Extensivierung/Änderung der wirtschaftlichen Nutzung. Die Anlage von mehrjährigen Blühstreifen, Blüh-, Stoppel- und Schwarzbrachen oder das Belassen von Getreide auf dem Acker als Nahrungsquelle und Deckung im Winter sind Ausprägungen starker Extensivierung. Erweiterter Saatreihenabstand oder verminderte Aussaatdichte, Verzicht auf Pflanzenschutzmittel, angepasste Düngung, reduzierte mechanische Beikrautregulierung können eine artenreiche Wildkrautflora fördern und dennoch kann weiterhin ein bestimmter Ertrag an Marktfrüchten erwirtschaftet werden. Von solchen Maßnahmen profitieren insbesondere auch Insekten. Zum spezifischen Artenschutz müssen solche Maßnahmen nur noch auf die jeweilige Zielart angepasst werden. So lassen sich nach dem Baukastenprinzip Maßnahmenkomplexe für einen Standort entwerfen.

Welche Kriterien bedingen die Eigenschaft „produktionsintegriert“ bzw. „betriebsorientiert“? Aus unserer Sicht das Zusammenspiel folgender Kriterien:

  • Die Maßnahmenplanung erfolgte in enger Abstimmung mit dem Flächenbewirtschafter. Eine erfolgreiche Pflege der Maßnahme gelingt umso mehr, je angepasster die Umsetzung der Maßnahme auf die Arbeitsabläufe für die jeweiligen Ackerkulturen ist.
  • Die Fläche bleibt in der Bewirtschaftung des Eigentümers/Pächters.
  • Eine starke Extensivierung von Teilflächen ist möglich, jedoch findet dies im Zeitverlauf auf wechselnden Flächen statt, um eine Integration in die Anbauplanung zu erleichtern.
  • Planung und Umsetzung der PiK garantiert eine Erhaltung des Ackerstatus.

  • Das Kriterium, auf einer Teilfläche einen Ertrag an Marktfrüchten zu erwirtschaften, sollte fakultativ sein. Ziel muss es in erster Linie sein, in einem definierten Suchraum Strukturen zu schaffen, die der Förderung von Feldflora und –fauna (speziell Offenlandarten und Insektenpopulationen) im speziellen dienen und gleichzeitig der Landwirtschaft ein gewisses Maß an Flexibilität einräumt und Produktionsflächen nicht auf Dauer entzieht. PiK ermöglicht das Nebeneinander von Hochertragslandwirtschaft und extensiven Strukturen im Sinne des „land sparing“ wie das „land sharing“, also die Vereinigung von Artenschutz und Nahrungsmittelproduktion auf derselben Fläche.
    /

Mehrjährige Blühstreifen auf dem Biobetrieb Wassergut Canitz in Tallwitz, Sachsen. Rechts: inmitten des Schlages, Mitte u. links: zu beiden Seiten einer Hecke.

Eine mittlerweile zum Klassiker avancierte PiK-Maßnahme wäre der Blühstreifen. Flexibel zu bewirtschaften, auf wechselnden Flächen ansäbar, landschaftsästhetisch ein Höhepunkt und (bei umsichtiger Planung, Umsetzung und Pflege) sehr effizient im Hinblick auf Habitataufwertung für zahlreiche Tiere und Pflanzen.

Es gibt zahlreiche unterschiedliche Maßnahmen mit unterschiedlichen Zielschwerpunkten: Habitataufwertung für verschiedene Arten, gezielter Artenschutz, Maßnahmen zur Bodenverbesserung, Gewässer- und Erosionsschutz.

Nun gilt folgender, wichtiger Grundsatz: Erst eine geeignete Fläche finden, dann die Maßnahmen raussuchen. Geeignet ist eine Fläche insbesondere dann, wenn Sie aus agrarökonomischer Sicht von untergeordneter Bedeutung ist. Idealerweise handelt es sich um eine schwer zu bewirtschaftende Fläche (Hang zur Vernässung, Hanglage, Schwer befahrbar) oder um einen Grenzertragsstandort. Ertragreiche Standorte sollten keinesfalls zu Kompensationszwecken herangezogen werden. Eine Hilfestellung zur Findung geeigneter Flächen bietet u.a. die Flurbilanz mit Flächenbilanzkarten und Wirtschaftsfunktionskarten.

Welche Maßnahme nun auf der ausgesuchten Fläche aus naturschutzfachlicher Sicht Sinn ergibt hängt von verschieden Faktoren ab:

    • Naturraum
    • örtliche Naturkulisse
    • bereits vorhandene Strukturen – natürlich und menschengemacht
    • gebietsheimische Arten und deren Bedürfnisse
    • Vorhandensein zu fördernder Arten

Für weitere Informationen zu verschiedenen naturschutzfachlichen Maßnahmen, welche sich im Rahmen einer Kompensationsplanung in Betracht gezogen werden können finden sich auf der Seite der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft. Hier finden Sie ein umfassendes Kompendium an Maßnahmen, mit denen sich ein Standort ökologisch aufwerten lässt. https://www.kulturlandschaft.nrw/pin-datenbank/

 

 

Mehr zum Thema

Landsiedlung Baden-Württemberg GmbH – Projektleiterin und kompetenter Partner für Landwirte und Gemeinden für Ökopunkte und Kompensationsmaßnahmen.

Sonderprogramm Biologische Vielfalt des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, in dessen Rahmen dieses Projekt stattfindet.

Flächenagentur Baden-Württemberg GmbHein Partner der Landsiedlung und kompetenter Ansprechpartner im Bereich Landschaftsplanung, Kompensationsmaßnahmen, Monitoring und Ökopunkte.

Maßnahmendatenbank der Westfälischen Kulturlandschaft NRW. Der Katalog umfasst auch Maßnahmen um gezielt bestimmte Arten zu fördern.

Beispiel einer PiK-Maßnahme in Bayern, umgesetzt von der Bayrischen Kulturlandstiftung.

100 Äcker für die Vielfalt – Errichtung eines bundesweiten Schutzgebietsnetzes für Ackerwildkräuter

Die Natur gewinnt immer – Projektseite für bayerische Naturschutzforschungsvorhaben.

F.R.A.N.Z – Gemeinsam für mehr Vielfalt in der Agrarlandschaft